Blechen
Kleiner Selbstbetrug im Traum
Als der Mann vor mir in seine rechte Hosentasche greift, macht er das mit einer Abfolge von Gesten - einem etwas gewichtig tuenden, mit dem Unterarm erst einmal wie weiten Auslangen zum Aufwerfen der Mantelschöße, bevor er mit einem leichten In-die-Knie-Gehen in die Tiefe seiner Tasche greift -, die ich schon als Kind bei älteren Männern wahrgenommen und als typisch bemerkt zu haben meine; oder es war das seinerzeit eine gewissermaßen autonome, geläufig gewordene Bewegung. Doch führt es mich zu der versuchsweisen Überlegung, dass das Alter eines Menschen derart, mittels beiläufiger Charakteristiken also, immer auch ganz anders zu bestimmen sein müsste, als nur mit der nominellen Anzahl von Lebensjahren. Doch ist die Zeitverhaftheit solcher Gesten wohl zu relativ und zu vielen Zufällen unterworfen; Nachahmungen etwa, ihren unbekannten Gründen, ob bewusst und unbewusst. Doch warum sollte das besser als eine schlichte Altersangabe sein? Ist Habitus nicht zeitlos? Genügte der Hinweis auf seinen Hut? (Und wen interessiert das überhaupt?)
An dieser Stelle hatte sich das etwas trübe Sinnieren auf dem Gang einer Toilette in einem größeren Einkaufszentrum, wo ich, meinen Obulus zu entrichten, beim Hinaustreten kurz warten musste, auch in Wirklichkeit verfranst. Die Worte waren genug verdächtig, nur kam ich nicht darauf. Dafür wird nun der Traum sich seiner selbst bewusst, nämlich wie er eine Sache umgestaltet, die sich etwas anders zugetragen hat, als gälte es, leicht abgewandelt, mir das Moment ihres Anlasses ein weiteres Mal zu signalisieren, um es aufschreibefähiger zu machen, etwas ganz Flüchtiges, wie es tagsüber x-fach passiert und also eher vergessen sein soll: hier stößt es, das Ereignis als sein sich erneuerndes Bemerktsein, während nächtlicher Hirnprozesse auf Modi seiner eigenen Behandlungsroutinen als etwas erneut Projektives, das der Traum mittels eines Anekdotischen - das ich mir ja tatsächlich oft genug als irgendwelches szenisches Beiwerk anderswo zu verwenden notiere -, versuchsweise als Verschiebung usw. entwirft.
Und während ich so immer noch vor mich hinsinnierte, nicht einmal ungeduldig hinter meinem Vordermann, hörte ich im Aufschütteln dann der reichlichen Münzen auf seiner Hand, dass eine davon falsch war.
Spontan trete ich den halben Schritt vor, den es braucht, den Blick des Toilettenmanns mit einem betonten Guten Abend!, auf mich zu ziehen und an dem anderen vorbei meine 50 Cent mit einem deutlichen Laut in den Unterteller zu legen, damit er - den ich niemals im Leben wiedersehen werde - nicht hinterher mich verdächtigt, falls er nun von dem anderen die Blechmarke bekommt.
Während Elisabeth auf dem Gang nach draußen etwas zu mir sagte, war meine Aufmerksamkeit noch nach hinten gerichtet und zugleich auf diesen mich nicht loslassenden falschen Klang (auf den nichts folgte). Verkürzt versuche ich zu schließen: Die bare Münze Schlüssigkeit - und welcher Anteil Blech...? Doch beim zweiten Mal hebt das Lamentieren über den Betrug (dem ich ohne viel Erleichterung für mich entkomme) dann auch wirklich an!
So könnte es gewesen sein, denke ich, wirklich, aber merke, darauf kommt es gar nicht an. Die Vertauschung - die Unterschlagung als ihr Mehrwert - liegt anderswo. Der Traum variierte die Anekdote nur noch einmal als Möglichkeit seiner Erzählung, dazu ein weiteres Mal als deren spekulatives Moment, und im halben Aufwachen darüber weiß ich es dann auch nicht besser, und verwerfe alle drei. Das macht mich auch gegenüber dem Stattgehabten wieder frei. War es so? Mit der ersten Wahrnehmung, der Art und Weise wie der Mann in seine Tasche griff, fange ich wieder an.
Als der Mann vor mir in seine rechte Hosentasche greift, macht er das mit einer Abfolge von Gesten - einem etwas gewichtig tuenden, mit dem Unterarm erst einmal wie weiten Auslangen zum Aufwerfen der Mantelschöße, bevor er mit einem leichten In-die-Knie-Gehen in die Tiefe seiner Tasche greift -, die ich schon als Kind bei älteren Männern wahrgenommen und als typisch bemerkt zu haben meine; oder es war das seinerzeit eine gewissermaßen autonome, geläufig gewordene Bewegung. Doch führt es mich zu der versuchsweisen Überlegung, dass das Alter eines Menschen derart, mittels beiläufiger Charakteristiken also, immer auch ganz anders zu bestimmen sein müsste, als nur mit der nominellen Anzahl von Lebensjahren. Doch ist die Zeitverhaftheit solcher Gesten wohl zu relativ und zu vielen Zufällen unterworfen; Nachahmungen etwa, ihren unbekannten Gründen, ob bewusst und unbewusst. Doch warum sollte das besser als eine schlichte Altersangabe sein? Ist Habitus nicht zeitlos? Genügte der Hinweis auf seinen Hut? (Und wen interessiert das überhaupt?)
An dieser Stelle hatte sich das etwas trübe Sinnieren auf dem Gang einer Toilette in einem größeren Einkaufszentrum, wo ich, meinen Obulus zu entrichten, beim Hinaustreten kurz warten musste, auch in Wirklichkeit verfranst. Die Worte waren genug verdächtig, nur kam ich nicht darauf. Dafür wird nun der Traum sich seiner selbst bewusst, nämlich wie er eine Sache umgestaltet, die sich etwas anders zugetragen hat, als gälte es, leicht abgewandelt, mir das Moment ihres Anlasses ein weiteres Mal zu signalisieren, um es aufschreibefähiger zu machen, etwas ganz Flüchtiges, wie es tagsüber x-fach passiert und also eher vergessen sein soll: hier stößt es, das Ereignis als sein sich erneuerndes Bemerktsein, während nächtlicher Hirnprozesse auf Modi seiner eigenen Behandlungsroutinen als etwas erneut Projektives, das der Traum mittels eines Anekdotischen - das ich mir ja tatsächlich oft genug als irgendwelches szenisches Beiwerk anderswo zu verwenden notiere -, versuchsweise als Verschiebung usw. entwirft.
Und während ich so immer noch vor mich hinsinnierte, nicht einmal ungeduldig hinter meinem Vordermann, hörte ich im Aufschütteln dann der reichlichen Münzen auf seiner Hand, dass eine davon falsch war.
Spontan trete ich den halben Schritt vor, den es braucht, den Blick des Toilettenmanns mit einem betonten Guten Abend!, auf mich zu ziehen und an dem anderen vorbei meine 50 Cent mit einem deutlichen Laut in den Unterteller zu legen, damit er - den ich niemals im Leben wiedersehen werde - nicht hinterher mich verdächtigt, falls er nun von dem anderen die Blechmarke bekommt.
Während Elisabeth auf dem Gang nach draußen etwas zu mir sagte, war meine Aufmerksamkeit noch nach hinten gerichtet und zugleich auf diesen mich nicht loslassenden falschen Klang (auf den nichts folgte). Verkürzt versuche ich zu schließen: Die bare Münze Schlüssigkeit - und welcher Anteil Blech...? Doch beim zweiten Mal hebt das Lamentieren über den Betrug (dem ich ohne viel Erleichterung für mich entkomme) dann auch wirklich an!
So könnte es gewesen sein, denke ich, wirklich, aber merke, darauf kommt es gar nicht an. Die Vertauschung - die Unterschlagung als ihr Mehrwert - liegt anderswo. Der Traum variierte die Anekdote nur noch einmal als Möglichkeit seiner Erzählung, dazu ein weiteres Mal als deren spekulatives Moment, und im halben Aufwachen darüber weiß ich es dann auch nicht besser, und verwerfe alle drei. Das macht mich auch gegenüber dem Stattgehabten wieder frei. War es so? Mit der ersten Wahrnehmung, der Art und Weise wie der Mann in seine Tasche griff, fange ich wieder an.
en-passant - 7. Nov, 12:58
