<?xml version="1.0" encoding="UTF-8" standalone="yes"?>
<?xml-stylesheet href="http://tabu.twoday.net/rss2html.xsl" type="text/xsl"?>
<rdf:RDF 
  xmlns:rdf="http://www.w3.org/1999/02/22-rdf-syntax-ns#" 
  xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
  xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
  xmlns:cc="http://web.resource.org/cc/"
  xmlns="http://purl.org/rss/1.0/"
> 

  <channel rdf:about="http://tabu.twoday.net/">
    <title>Tage-&amp; Nachtbuch (Lebensmitschriften...)</title>
    <link>http://tabu.twoday.net/</link>
    <description>Lebensmitschriften...</description>
    <dc:publisher>en-passant</dc:publisher>
    <dc:creator>en-passant</dc:creator>
    <dc:date>2009-11-28T20:46:59Z</dc:date>
    <dc:language>en</dc:language>
    <sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
    <sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
    <sy:updateBase>2000-01-01T00:00:00Z</sy:updateBase>
    
    <image rdf:resource="http://static.twoday.net/TABU/images/icon.gif" />
    <items>
      <rdf:Seq>
            <rdf:li rdf:resource="http://tabu.twoday.net/stories/6067025/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://tabu.twoday.net/stories/6065686/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://tabu.twoday.net/stories/6064054/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://tabu.twoday.net/stories/6063782/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://tabu.twoday.net/stories/6056654/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://tabu.twoday.net/stories/6054955/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://tabu.twoday.net/stories/6052273/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://tabu.twoday.net/stories/6050704/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://tabu.twoday.net/stories/6049078/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://tabu.twoday.net/stories/6045821/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://tabu.twoday.net/stories/6044131/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://tabu.twoday.net/stories/6041361/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://tabu.twoday.net/stories/6031470/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://tabu.twoday.net/stories/6031222/" />
            <rdf:li rdf:resource="http://tabu.twoday.net/stories/6028656/" />

      </rdf:Seq>
    </items>
  </channel>

  <image rdf:about="http://static.twoday.net/TABU/images/icon.gif">
    <title>Tage-&amp; Nachtbuch</title>
    <url>http://static.twoday.net/TABU/images/icon.gif</url>
    <link>http://tabu.twoday.net/</link>
  </image>

  <item rdf:about="http://tabu.twoday.net/stories/6067025/">
    <title>Dreckige Bilder</title>
    <link>http://tabu.twoday.net/stories/6067025/</link>
    <description>&lt;b&gt;Glück, Entropie und kalte Stellen im Kosmos &lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder mal ein mich frappierendes Foto des Gesichts dieser Hollywoodaktrice, über die ich mich hier schon einmal auslassen musste. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Mittlerweile habe ich sogar mal Filmausschnitte mit ihr angesehen, doch erschien mir ihr Spiel kaum besser als das hölzerne Agieren der nach ihrem Aussehen Ausgesuchten in dem &quot;werbefreundlichen Umfeld&quot; unserer Vorabendserien. Kann man auf so was ein Startum, ein Leben, oder auch nur eine Selbstachtung gründen? Die Arme! Wieder einmal scheint die Lebensbilligkeit so genannten &quot;Erfolgs&quot; einen Menschen kosten zu können. Ich muss es mir selber erst wieder eingestehen: Ich mag diese Frau nicht - und doch geht sie mir nah. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Foto zeigt es: Kann sein, dass es es mit ihrer angeblichen Schönheit vielleicht bald vorbei sein wird. (Die für mein Auge bei solchen Barbies höchstens durch eine gewisse Gebrochenheit gegeben wäre; geben sie sich ausschließlich als das projektierte Bild ihrer selbst, bleibt es bei kaum mehr als Blondierung, Brüsten, einem Null 8/15-Ergebnis gängigster Weiblichkeitsdressur; als die eigentlichste Perversion scheint mir immer mehr der Wahn dieser Perfektion.) Wenn sie nicht bald auf die moderne Selbstmumifizierungstechniken der Kosmetikindustrie umschaltet, wird sie zu einer früh Verblühten jenes unerbittlichen Systems geworden sein, das sich ihr erst andiente, dem sie sich unterwarf und das sie nun wieder aussondern wird. Das abwesende Glück mit Aussehen zu blenden zu versuchen wenigstens! Look-Nutten, wir alle! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Immerhin scheint es da nun dieses Selbstzerstörungsmoment bei ihr zu geben. Und angeblich ist sie neuerdings sogar regelrecht verschrieen für ein haltloses Leben, für eine Exzessivität, die anscheinend weiter gehen will als nur auf Parties und bis hin zu gewöhnlichen Abstürzen der anderen Skandalnudeln à la Hollywood. (Lehrte einen aktuell der italienische Schmieren-Cavaliere nicht eines Besseren, könnte man zumindest noch an die ehemals fellinesk superioren Skandale europäischen Zuschnitts glauben, jedenfalls sicher nicht an die mit notorisch unreifen, unterbelichteten Görlies, mit denen eben auch im Negativen nichts an Größe zu kriegen ist.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch eben das, der immer häufigere, ihr schon als Auffälligkeit angelastete Bruch mit den Konventionen des Sich-Bewahrens, um so evtl. auch als laufend operiertes, Fitness-gestähltes &quot;Röntgenbild&quot; (Tom Wolfe) noch irgendwelche Rollen zu kriegen, hatte sie mir beim ersten Mal sympathisch gemacht: Ein bisschen Rebellentum, ein Mindest-Unterlaufen jener rigiden Regeln, die eigentlich nur die über-standardisierte Leblosigkeit jenes Selbstdarstellertums fördert, das man mittlerweile immer stärker überall in der Gesellschaft findet: Fassade, das penible Ausfüllen der Rolle als Selbstformatierungsvorschrift zu einem Soll an Standard-, an &quot;Trend&quot;-Persönlichkeit, die in ihrem übererfüllenden Gelingen, ihrem zuallerst darzustellenden &quot;Erfolg&quot;, ihrem geld-intensiven Mithaltezwang den Rest terrorisiert. Naturidentische Replikanten vom Typ &quot;Nexus 6&quot; - und dann eben auch mit ungefähr ähnlich unsicheren Halbwertszeiten. &lt;i&gt;Cause in fashion nothing stays for long&lt;/i&gt;. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und nun scheint diese Frau dieses erstere Zerstörungsprogramm irgends selbstzerstörerischer unterlaufen zu wollen mittels Haltlosigkeit, einem bekannt schlechten Geschmack und ihrem zunehmend schlechten Namen. Womöglich kompensiert das sogar die Ausfälle mittlerweile ihres ehemaligen Marktwertes? Jedenfalls resultiert es vorerst in neue Folgen an Home-Stories von ihrem &quot;Rückzug aus der Öffentlichkeit&quot;, von ihrer sie erretten sollenden &quot;neuen Liebe&quot;, von ihrer &quot;erschütternden&quot; TV-Beichte ihrer Sucht usw. Fortsetzung Illustrierten-Leben. Bitte blättern Sie um. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und ich frage mich, ob mein Zynismus demgegenüber nicht die Kehrseite der immerhin auch möglichen wirklichen Teinnahme an all dem ist? Es gäbe durchaus öffentliche Personen, wenn auch weniger grotesk und künstlerisch überzeugenderer, bei denen mich auch Meldungen auf &quot;Goldenes Blatt der Frau&quot;-Niveau brennend interessierten. Wie ja überhaupt das öffentliche Leben mancher namhaft gewordener Menschen, sprich: die Boulevardisierung der relevanten Nachrichten, längst Tagesschau-tauglich geworden ist und Trivialwissen über diese Sorte Leute angeblich zur Zeitgenossenschaft gehört. Sie geben uns Modelle, Typisierungen, prägen Marken (die nach Werbergewäsch wiederum zur angeblichen &quot;Orientierung&quot; beitragen usw.). Das ist auch bei den anderen Gesellschafts-Heroen nicht anders. (Sogar so jemandem durch und durch originellen wie Peter Sloterdijk werden da mittlerweile leicht clowneske Züge als Teil entglittener Markenführung seiner selbst unterstellt - und das vielleicht nicht ganz unbegründet: Man muss sich auch ein bisschen rar machen können!) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zugleich wirkt da aber auch diese Lust am Skandal, auf die Schadenfreude auch beim Absturz all dieser nichtigen Emporkömmlinge - und natürlich besonders der einen besonders ärgenden Hassfiguren: die einem also auch mutmaßlich besonders nahe gehen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber warum eigentlich, ohne wirklichen Bezug auf das eigene Niedergehaltensein? Oder ergibt sich dieses Niedergehaltensein eben schon durch das Nichtentkommenkönnen vor einem Öffentlichwerden eines solchen Niedrigsten, weil im neuen Nachrichten-Mix auch auf diese Sparte nicht verzichtet werden kann? Längst gibts auch in der FAZ Promi-News als Rubrik-Wissen, wenn auch getarnt als Sottisen-gesättigter Spott - und der ist manchmal sogar lesenswert: Als &quot;Sittenbild&quot; unserer flotten Realgroteske! Doch viel öfter erfasse ich auf einem Schirm etwas gerade erst aus den Augenwinkeln und möchte schon rufen: Darf ich bitte uninformiert bleiben! Danke! Und immer öfter schalte ich vor Angeekeltsein dann wirklich schnell aus. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch ebenso gibt es diese Sonderkategorie von Menschen - und das sind bei mir endlich einmal nicht nur Frauen -, die einen seltsam angehen. Und da kommt dann noch etwas anderes hinzu, etwas Eigenes, durch diese öffentliche Figur sich anderswie Ausgedrücktes. Und ich frage mich ernsthaft: Könnte es das Tragische sein? (Oder eben das wegen dem Überangebot von Unernsthaftigkeit dahin umzudeutende?) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Es ist immerhin nicht ganz auszuschließen, dass meine Lust beim Zusehen der Demontage eines mir ansonsten Unerreichbaren ein verhindertes Fantum, eine in diesen Figuren und der eigenen Kleinlichkeit verhinderte Liebesfähigkeit ist: Eine Art paradoxe Nächstenliebe des Aller-Entfernsten, des Ruhmreichen, des Beispielgebenden. (Wie etwa auch die &quot;Liebe&quot; zum eigenen Heimatfußballclub ja eine des Trotzdem ist: Das Widersinnige eben als die Verstärkung einer Regung, die man hilfloserweise nicht anders als Liebe zu nennen weiß, deren Unbedingtheit man aber - mangels wessen? - braucht. Es gibt ja sogar Leute, die &quot;lieben&quot; Deutschland!) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da läge dann zumindest die Schnittstelle zum Drama (oder von mir aus: zur Operette). Und das ist in einer Zuschauer-Gesellschaft (immer noch gilt es als Leitmedieum, unser TV) vielleicht nicht unähnlich grausam wie bei den Formel I Kuckern, die sich in ihre Sessel fläzen und einen &quot;Sport&quot; zu genießen vorgeben, während sie heimlich drauf warten, dass in der öden Routine ihres eigenen Im-Kreis-Lebens endlich einer stellvertretend für sie aus der Kurve fliegt und ihnen in eine Dimension von Ernsthaftigkeit eintreten hilft, sich den Hals bricht für ihr bisschen Augenzeugen- &amp; Zeitgenossenschaft. Und in all dem oft wirklichkeitsspottenden Wahnsinn der Welt ist ja neuerdings fast auch immer einer mit der Kamera für uns dabei! Spot the looney! Und immer trifft der so opulent bediente, in Wahrheit in Kärglichkeit gehaltene Zuschauer in seinem Weltverlust immerhin auf sich selbst! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auf diesem neuerlichen Foto ist diese Frau zurecht gemacht wie immer, trägt ein teures Auftritts-Kleid usw., doch kann man das Dunkle unter ihren Augen sehen, die Falten auf ihrer Stirn und um den Mund, die Hautflecken, kurz: alles, was die Oberflächenindustrien sich sonst voreilig wegzuretouschieren bemühen. So wird jemand gezeigt, wenn man an ihm ein Exempel von Wahrheit statuieren will (das &quot;Ungeschminkte&quot;, das für diese Art Aufmerksamkeitsindustrie doch nur die Kehrseite des allseits verhurten Glamours ist). So könnte man sich aber auch der Illusion untergeben, sie würde in ihrem Scheitern zu einem wirklichen Menschen und unversehens zu einer richtigen Frau. Und diese Art Stellvertretung machte sie wirklicher - was sie aber so oder so nicht sein kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Am intimsten und beredt für mich wie immer der Mund: Er scheint so etwas wie Geringschätzigkeit nicht verbergen zu können, dazu einen Zug fast unverstellter Gier zu offenbaren inmitten einer unruhigen Lust am Spiel von Locken und Verweigern und gezügeltem Widerwillen und herausforderndem Spott. Was er auszudrücken scheint, ist so was wie: Was soll einen noch herausfordern, wenn man alles haben kann? Ekel der Luxus-Gefühle, des Überdrusses. Und damit erinnert mich sie mich auf einmal an - erst durch eine solche Fallhöhe ihre Größe erlangende - Figuren bei Francoise Sagan. Die &quot;Wahrheit&quot; wird immer bitter sein, und weil sie auch unerbittlich ist, wird sie uns durch solche Stellvertreterakte verabreicht.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich sehe durchaus meine Befangenheit, die Momente meiner mich schützen sollenden Selbstgerechtigkeit und wie ich hier die Stärke, den Vorgaben zu irgendwelchen Höherwertigkeiten weiterhin zu glauben (Liebe, Erfolg, &quot;authentisches&quot; Leben) nicht aufbringe und damit noch die Kraft ihrer Naivität unterlaufe, die mit ihrem Trotzdem oft so schlicht so weiterführend werden kann. Nichtige Menschen trotzdem groß. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Auch ist mir meine als Zuschauer unhintergehbar ausbeuterische Haltung klar. Siehe aber auch &lt;i&gt;Das Leid anderer betrachten&lt;/i&gt; (Susan Sontag), das einen eben aus diesen Haltungen, positiv wie negativ, erst wieder herausholen und dazu verhelfen kann, eine größtmögliche Annäherung an eine Tatsächlichkeit von Leiden erst wieder zu versuchen. Und erst damit letztlich das Vorhersehbare des eigenen Leids zu würdigen, in dem man Haltungen dazu ermöglicht, die nicht vorab eine Schutzhaltung oder sonst eine Verfälschung wäre. Dass Endlichkeit einem Würde verleiht, ist ja per se so nicht wahr (man denke an das unwürdige Sterben der &quot;Prominenten&quot; - noch im Tod werden sie einem eher penetrant). Es ist nur diese Dimension von Ernsthaftigkeit, die etwas anderes an Blick erlaubt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
In der &quot;Thanatografie I&quot; (Bernd Mattheus über Georges Bataille) gibt es die verblüffende Behauptung, dass &quot;Gesichter im seelenlosen Universum die einzigen offenen Stellen&quot; seien. Müssten nicht auch die Blicke oder inneren Reaktionen dazu gezählt werden, die diese offenen Stellen auslösen? Ich habe einmal ein Tier, einen Hund, neben seiner nur ohnmächtig gewordenen Besitzerin wachen sehen und die Verstörung dieses Wesens war nicht seelenloser als eine beliebige Regung eines über den größten Teil seiner Zeit ja doch eher seelen-dumpfen Menschen. In einem Versuch zur Präzision dieses Satzes also würde ich sagen, dass der Schmerz an sich schon eine offene Stelle ist, weil in ihm das auf gewisse Weise fragloseste Empfinden die überwältigende Dimension von Sinnlosigkeit berührt und schon dieses Klaffen gleichsam nicht überbrückt werden kann. Erst diese Art Schmerz aber schaffte überhaupt erst die Möglichkeit zur Schönheit der Menschen. (Die also statt einer nur äußerlichen eine &lt;i&gt;ergreifende&lt;/i&gt; sein müsste, und zwar ohne das damit uns mitzuempfinden konditionierende Pathos. Statt einer würdigen Wortlosigkeit, plappert jeder etwas wie &quot;...ja, das hat mich sehr betroffen gemacht&quot;. Und jede sich andauernd ausstellende Schönheit ist dann eben prompt affiziert von dieser Billigkeit, bekommt etwas von Hurerei.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Natürlich aber muss sämtlicher Sätze &quot;Wahrheit&quot; wiederum etwas Hypothetisches bleiben und außerdem unterliegt sie immer zum Teil ihren unvermeidlich produzierten Dunkelstellen (auch wenn die wiederum ein Teil ihre Kraftquellen sind). Auch die Poesie (zumal wittgensteinisch, als Sprachspiel, verstanden) ist in ihren allergrößen Teilen längst ihrerseits eine Konvention. Kann gut sein, man kann in einer Gesellschaft, die zu ihrer Selbstverständigung unentwegt und überall Mikrophone hinhalten muss, etwas Wahres schon gar nicht mehr sagen: Es geriete sofort zu Unwahrscheinlichkeit. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch gibt es da in jedermann auch ein komplexes System von Zugänglichkeiten, von Abstufungen gegenüber den performatorischen Überzeugungskräften - den sozusagen &lt;i&gt;schauspielerischen&lt;/i&gt; Seiten der Wahrheiten. Dazu die je besonderen eigenen Ansprechbarkeiten, etwas, das auch dem künsterlerisch Ungenügenden, dem Künstlichen, oder sonst einem weniger Wahrhaftigeren, je nahegehendere Wirksamkeiten zusprechen will. Und für mich arbeitet in dem mittels des Fotos immerhin eine Intensität herstellenden Augenblick sicher zum Teil auch meine unausrottbare Bereitschaft, mich anrührenden Frauen etwas so rasch gar nicht Benennbares - oder gern auch Unnennbares - zuzugestehen, um mich ihnen mittels eines - meines eigenen - ritterlichen Paradoxes andienen zu können: zuletzt sind es ja doch immer Frauen, die überhaupt in einem irgendwas bewegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und dann ist da noch etwas in ihren Augen, ein wirklich schon resignatives Moment, eine Traurigkeit über sich selbst und die Ahnung, einmal für fast nichts in die Gewalt dieser Bildertraumvergewaltigungsmaschine geraten zu sein und sich ihr trotzdem unablässig stellen zu müssen, weil das zu den unabdingbar abzuverlangenden Veräußerungsbereitschaften ihres Lebens aus Veräußerungen eben gehört: Zeig dein Gesicht! (Zeige deine offene Stelle: &quot;Zeige Deine Wunde!&quot; [Joseph Beuys]) Und auf einmal ist da auch der Schmerz, das nicht mehr verhindern zu können, der, über sich in keinem Missverständnis zu sein. Und sie weiß längst selber, dass ihr Gesicht die Spuren des Realen, d.h. bei ihr eines fremdbestimmten Lebens bald nicht länger abweisen kann. Und fast kriegt sie etwas von der ebenfalls gerade abgefeierten, schon fast mysthisch gewordenen Romy Schneider. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch bin ich da schon wieder in einem anderen Deutungssystem. Ein Zeitungsartikel über die (mit bis zu unsinnig frühen Selbstmorden reichlich belegten) Schwierigkeiten früher Kinderstars fällt mir ein. Geht es da um das Märchen mit den zu zahlenden Preisen für das höhere, das in dne Augen anderer immer gleichnishaft werdende Glück? Doch muss einen auch dabei die Unvermeidlichkeit an Moralismus stören. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Warum nicht auf Dauer &lt;i&gt;sinnlos&lt;/i&gt; glücklich sein, d.h. ungerechtfertigt glücklich, weil man ein immerhin dazu talentiertes Lebewesen ist? Ist es nicht das, was die heutigen Kinder viel unschuldiger fordern könnten, viel maßloser, gleichsam mit Gewalt, weil es ihnen viel überzeugender vorgelebt wird als je zu einer Zeit zuvor? Doch müssten sie es wohl erst vom dummen materiellen, märchenhaften Überfluss ihrer Umwelten separieren. Und eben deshalb kann ein erschreckend überwiegender Teil der Kinder von solcherart Leben vielleicht immer nur träumen. (Ganz zu schweigen von denen, die jede Minute irgendwo auf der Welt einfach krepieren.) Und diese gigantische Dimension des Nichterfülltseins in einem kalten sinnlosen Universum sagt auch etwas aus über das Glück. (Ganz zu schweigen von seinem Verteiltsein unter realen gesellschaftlichen Bedingungen.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedenfalls überkommt mich im Anschauen dieses Gesichts mit seinem kleinen dummen Schmerz - der immer trotzdem auch irgendwie der erste Menschenschmerz ist - eine Art Befürchtung, dass es vielleicht nicht zu sich selber findet. (Oder dass es in eine dieser Botoxmasken der Menschen-Dummies entgleitet, bevor es anfängt, uns zumindest seine Seite zerstörerischer Individualität zu offenbaren.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Better to burn out than to fade away? Als Schauspielerin oder &quot;Star&quot; wird mich diese Frau weiterhin nicht interessieren (tut allerdings auch sonst fast niemand aus dieser Show-Riege). Auch scheint sie mir wg. all der schon erfolgten Einsprüche in sie wenig attraktiv. Doch weiß ich jetzt schon, dass ich ihr minderes Drama weiter werde verfolgen müssen, wenn auch widerwillig fast. Doch warum soll nicht wenigstens das Unglück, wie klein auch immer, sein bisschen Größe leben? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 </description>
    <dc:creator>en-passant</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 en-passant</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-28T12:08:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://tabu.twoday.net/stories/6065686/">
    <title>~.~</title>
    <link>http://tabu.twoday.net/stories/6065686/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;338&quot; alt=&quot;Babykoepfe&quot; width=&quot;612&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/TABU/images/Babykoepfe.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 </description>
    <dc:creator>en-passant</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 en-passant</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-27T14:17:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://tabu.twoday.net/stories/6064054/">
    <title>Wir Aufgeklärten!</title>
    <link>http://tabu.twoday.net/stories/6064054/</link>
    <description>Gerade erst &lt;a href=&quot;http://www.schimmeck.de/Texte/mmdrede.htm&quot;&gt;entdeckt... strafwürdig spät... dafür aber immer noch brandaktuell zu lesen&lt;/a&gt;! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Ja, ist ein bisschen lang, aber lohnt sich durch und durch!!) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 </description>
    <dc:creator>en-passant</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 en-passant</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-26T14:44:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://tabu.twoday.net/stories/6063782/">
    <title>Klute</title>
    <link>http://tabu.twoday.net/stories/6063782/</link>
    <description>&lt;b&gt;Klute &lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jedesmal, wenn sie ihn im Abstand von ein paar Jahren mal wieder bringen, sehe ich mir diesen Film an. Auch diesmal wieder, sicher abgeklärter, weniger fasziniert, aber doch auch unfähig, ihn früher auszuschalten, wie ich es eigentlich vorhatte. Warum? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Plot ist nicht mehr wirklich aufregend, und sogar die Figuren, obwohl für ihre Zeit (1971) sicher komplex, sind für heutige Verhältnisse nicht mehr wirklich originell. Es könnte an der Atmosphäre des Films liegen, aus Nacht, der Beengtheit der Innenräume und der Getriebenheit der Charaktere, vor allem der Soundästhetik und der Musik, die mit ihren Elementen aus repetitiven Figuren (nah an der seinerzeitigen Musik-Avantgarde Terry Riley und La Monte Young) und Windspielklängen etwas sehr Eigenes, tatsächlich Hypnotisches hat und bei mir verlässlich &quot;Spannung&quot; erzeugt. Oder es ist das Thema des Abgründigen selber, das - einer der Hauptdarsteller dieser Noir-Filme ist ja immer die Stadt selbst, im Zweifelsfalle NYC, &lt;i&gt;ein Logarithmus von Städten&lt;/i&gt; (J. Ashbery) - im Dschungel der Großstadt gleich nebenan zu wohnen gekommen ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zwei Dinge fallen mir diesmal ein. Wie möglicherweise die früh gesehenen Filme eine Art Musterreiz in einem erzeugen, der alle späteren Fortentwicklungen des Genres eben als nachfolgende, abzuleitende deutlich werden lässt; es ginge also um die Qualität des ersten Mals. (Und es gibt für mich, der ich sonst nicht der größte Freund amerikanischer Filme bin, noch einige andere, die ebenfalls ihre verlässlich Wirkung auf mich haben, etwa &quot;The Conversation&quot; oder &quot;Point Blank&quot;. Nichts davon wurde von späteren Neuauflagen mit größeren Stars je überboten.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das andere, das mir diesmal bei Klute auffiel, sind die medialen Verdopplungen. Schon die allererste Szene wirkt wie das Zitat eines Wochendschmalfilms: Eine Gruppe fröhlicher Freunde bei einem Zusammensein - doch unter ihnen ist der Heimliche (der Killer, der Psychopath usw.). &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dann wird ein laufendes Tonbandgerät gezeigt, der Mitschnitt eines abgehörten Telefongesprächs ertönt und eröffnet schon die ganze Tiefe des Themas: Sex, Geld, Käuflichkeit und die Abgründigkeit der Begierden. Obszöne Briefe spielen eine Rolle (die dann auch zum entscheidenden Hinweis der Beweisführung werden), weitere Abhöraktionen (diesmal des Detektivs!), die das Callgirl zur Koperation zwingen usw. Diese mediale, gewissermaßen ein nie ganz durchschaubares Eigenleben begründende Schicht zwischen den Menschen begründet ihrerseits ein spezifisches Element der Entfremdung, wenn es auch nicht eigens thematisiert wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Damit hinein spielt dann wieder zweierlei: &lt;br /&gt;
Einmal die (auch im Film entsprechend regelmäßig auftretende) Psychoanalytikerin, die der Prostituierten keinerlei Lösungen für ihre Lebensprobleme anbieten kann, dafür aber Zuwendung, ein Interesse verkauft; und die talking cure und deren psychologischer Jargon ist schon das allseits eingeführte Mittel der Selbstreflexion geworden. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Deren Teil wird dann seltsam verdoppelt in den aufgekratzten, als Aufreizung gemeinten, tatsächlich aber als Entlarvung wirkenden Selbstkommentierungen der sexuellen Verführungen des Callgirls [das eigentlich um den gesellschaftlichen Aufstieg kämpft; bezeichnend: Sie, in ihren sexuellen Veräußerungen die Schauspielerin per se, wäre gerne Schauspielerin an einem Theater, funktioniert aber, im Sinne des ihr möglichen Erfolgs, erst als Prostituierte schauspielerisch perfekt in der ihr zugewiesenen Rolle durch das System]. Das alles wirkt, als nähme der Film damit auch das heutige Sex-Gequatsche vorweg oder bezeuge darin postmodern gewordene Figuren à la Lacan und Foucault, die den Sex als unaufhörlichen Strom der Selbstverständigung der Subjekte darüber, d.h. als seine Verfügbarmachung und Entmächtigung verstehen, damit zuletzt als der Gesellschaft zugeführtes Kapital.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum anderen die Drogen, die neue Musik, überhaupt der aufkommende Hedonismus, der selber schon etwas Mitleidsloses hat: Du brauchst Geld zum Konsum, Du brauchst Connections um in der richtigen Szene dabei zu sein, Du musst wissen, was läuft - also: kannst du mithalten oder nicht? Auch die Vergnügungen sind längst Teil eines &lt;i&gt;struggle for life&lt;/i&gt;. (Die ganze Blumenkinder-Bewegung scheint noch weit weg.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das eigentliche Thema ist anscheinend die in ihrem Innersten immer komplizierter, unerbittlicher, orientierungsloser werdende (amerikanische) Gesellschaft, und insofern sind solche Filme, die auf gelungene Weise das Spezifische eines Moments daran einzufangen vermögen, auf eine zeitlose Weise an der Zeit. So war dieser Film &lt;i&gt;modern&lt;/i&gt; auf eine sich darin selber noch wie unbewussten Weise - das ist ja immer von eigenem Reiz. Und mit all dem vorher Gesagten (vor allem zu der persönlichen Rezeption solcher Filme) sind sie dann ein (mediales) Moment auch der eigenen Geschichte, eine Art Markierung - und die überprüft man halt ab und an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 </description>
    <dc:creator>en-passant</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 en-passant</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-26T11:18:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://tabu.twoday.net/stories/6056654/">
    <title>~.~</title>
    <link>http://tabu.twoday.net/stories/6056654/</link>
    <description>Zugegeben  ich hatte gerade Cuong Vu, also einigermaßen zershatterten Lärm aus dem Echoraum auf dem Kopfhörer. Aber das dachte ich dann auch, als ich die entsetzten Blicke von mir abprallen ließ: Ich lass mich doch auch in meinen Extremen nicht maßregeln von Leuten, die DJ Bobo als Klingelton konsumieren und das ernsthaft für Musik halten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 </description>
    <dc:creator>en-passant</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 en-passant</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-23T14:56:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://tabu.twoday.net/stories/6054955/">
    <title>Tagebuch des Voyeurs</title>
    <link>http://tabu.twoday.net/stories/6054955/</link>
    <description>&lt;b&gt;Harmonie und Anomalie &lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wieder einer dieser seltsamen Novembertage: stille, niederrheinische Frühwinterlagen mit Warmfronten von Süden. Vielleicht wäre es längst unnormal, heutzutage &lt;i&gt;nicht&lt;/i&gt; mit sommerlichen Temperaturen zu rechnen? Diese lang verjährte Art Winter wäre jetzt die Anomalie? &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Offenbar mitten im Kämmen kommt M.E. für ein paar unaufschiebbare ihrer Züge an einer Zigarette nackt auf den Balkon. Doch mehr als das - und auch noch bei der relativen Kühle draußen! -, nimmt mich diesmal ihre wirre Erscheinung für sie ein. Die Haare aus einer mir unbekannten Frauenlogik in die Höhe gebauscht und nach vorne gebürstet, sieht sie aus wie eine der frühen Hysterikerinnen mit Haarteil oder wie eine Punkfrau aus der Zeit eines Louis Quatorze oder wie die obskur missglückte Erscheinung einer dilettantischen Travestieshow. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Drei-, vier mal habe ich sie jetzt auf der Straße oder im Supermarkt von Nahem gesehen und schon rausgekriegt, dass die von wer weiß welchen Lebensenttäuschungen her rührende Verhärtung ihrer Gesichtszüge für mich nicht mit dem einladenden Moment ihres Körpers harmonierte. Doch immer noch ist sie in dem ganzen Tableau von Frauen die einzige, die ich tatsächlich auch wegen ihrer Nacktheit beachte. (Und als wäre das zumindest mit einer Übertreibung anzuerkennen, habe ich längst auch genug Fotos von ihr.) Gegen den Appell eines solchen Körpers kann man, wenn man ihn als Form gewordene Annäherung an ein unbekanntes Ideal erkannt hat, als Mann nur schwer etwas tun; das hat zwar etwas von einer selbstlegitimierenden Ausrede, aber wahr ist es auch. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ihrerseits auf das Rauchen verschobene Moment von Gier suggeriert sie mir in Ideen einer Schamlosigkeit, die ich mir immer noch als zu aufregend vorstellen muss, als zu beglückend, als dass ich sie ignorieren könnte. Dabei ist so etwas wie Ausschweifung ohne das ausschweifendste aller Gefühle einzubeziehen vielleicht ein Widerspruch in sich? Oder sie ist überhaupt eher Idee. (Oder eben Begriff für eine Übertreibung - wie ja auch Liebe eigentliche eine Übertreibung ist, wenn auch für &quot;eine ganz normale Unwahrscheinlichkeit&quot;. &lt;a href=&quot;http://www.uni-online.de/artikel.php?link=3065&quot;&gt;[&quot;Liebe ist nicht nur eine Anomalie, sondern eine ganz normale Unwahrscheinlichkeit&lt;/a&gt;&quot;] [N. Luhmann]). Doch können diesen Bereich eines intimen Richtigen, dabei immer noch einmal wie unausdenkbar Bleibenden, eben auch nicht allzu viele Frauen in einem wachrufen. So bleibt das eine Besonderheit, für die M.E. mir steht und mich so oft genug an etwas mir in meinem Leben noch Ausstehendes erinnert: Einmal noch ein ganz anderer werden! (Und unrettbar dahin konditioniert, kann ich es mir dann nur nicht anders denken als durch die Verwandlungskraft einer Frau.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So hat sogar das für mich leicht Befremdliche an ihr noch ein Potenzial mich &quot;hinzureißen&quot;. Ihre Wirkung auf mich als Mann, der ich einerseits diese Art Mann schon gar nicht mehr sein will, andererseits vor meinem sich erneuernden Anspruch daran auf die vielleicht zuletzt doch immer nur selbe Weise versage, hat etwas von einem Appell. (Das Geschlechtliche als das Programm, in dem sich die Männer gern selber &quot;automatisieren&quot;; die Liebe als die Variable, an dem sich das auf die Dauer etwas simple Programm übersteigt?) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Jetzt steht sie, sich ausliefernd immerhin ihrer so dummen, mich anderswie aber doch so ansprechenden Gier - die ich mir als mein eigenes Maßloses gerne anverwandeln würde -, in der Kälte und zittert. Und der Rest der in einer Südbrise zitternden Blätter in dem Baum vor ihrem Balkon harmoniert auf die selbstverständlichste Weise mit dem gelben Licht auf ihrem Leib, der noch vom Sommer tiefgebräunt ist. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 </description>
    <dc:creator>en-passant</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 en-passant</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-22T11:17:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://tabu.twoday.net/stories/6052273/">
    <title>Das Model(l)</title>
    <link>http://tabu.twoday.net/stories/6052273/</link>
    <description>        &lt;b&gt;Das Model(l)&lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
make up - not love &lt;br /&gt;
stiller Wehfluss streunendes Begehren &lt;br /&gt;
und die soldatischen Frauen knallen ihre Absätze noch in meinem lindesten Traum... &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
shooting Schadow-Arkaden: &lt;i&gt;Sie ist ein Model und sie sieht gut aus&lt;/i&gt; - &lt;br /&gt;
ja, dachte ich, selber mit jedem Slogan dessen simple Verdopplung: &lt;br /&gt;
das reicht schon für eine Wahrheit in unserer kleinen Stadt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Transformation des vergänglichen Körpers ins ewige Bild &lt;br /&gt;
eine dieser selbstkruzifizierten Schönen wie in Frischhaltefolie stand sie gewickelt &lt;br /&gt;
nippend am gefilterten Leistungs-Wasser von Assistentinnen geführt &lt;br /&gt;
nichts wollte ich von ihr wissen &lt;br /&gt;
fast wollte ich lieber wegsehen so bedürftig sah sie aus - &lt;br /&gt;
und das mitten in dem überladenen Wahnsinn eines verfrüht weihnachtlichen Einkaufszentrums &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
doch schien da etwas verdreht an ihr &lt;br /&gt;
an den anagrammatischen Mindergesten einer unverständlichen Gestalt etwas intim wie Schmerz - &lt;br /&gt;
und wie widersinnig: die Bildermacher ob der vielen Zuschauer nervös &lt;br /&gt;
blieb die Szene entleiblicht virtuell wie bei Enthäuteten die nicht bluten &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
am Puderauftrag sollte es noch fehlen am dünnen Schweißfilm auf der Wunde &lt;br /&gt;
nur an der Stelle zu schließen an der man sich auch geschnitten hat &lt;br /&gt;
&lt;i&gt;weil die wirklichen Organe des menschlichen Körpers noch gar nicht zusammengesetzt sind&lt;/i&gt; (Antonin Artaud) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
dabei ihre Nacktheit nass und halsend ein Kind ohne Arme von denen es sich angenommen fühlt &lt;br /&gt;
fötale Urerinnerung Urin für immer ungeklärte Süchte ein Narbenherd ältester Verletzungen Trauma Geburt &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
und es flogen die ersten Kugeln Gongs von höherer Warte ein Singen &lt;br /&gt;
die Durchsagen weithin hallend an dem toten Christbaum nahm jeder sein Kreuz &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
luxuriös die pelzbeladene Zunge Locke überm Schussloch in keiner Schläfe &lt;br /&gt;
gezüchtigt der wunde wie der schöne Körper bleibt er der Ort der Einschreibung selbst &lt;br /&gt;
nichts will ich wissen dachte ich von einem Gott der selber sterblich ist &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
bisweilen kurz die Zeit wie eine Uhr &lt;br /&gt;
das Herz steht still trotz allem Weiterhasten &lt;br /&gt;
sie sah gut aus und ich sah weg &lt;br /&gt;
für immer bleibt noch etwas zu besorgen &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 </description>
    <dc:creator>en-passant</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 en-passant</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-20T10:42:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://tabu.twoday.net/stories/6050704/">
    <title>Dreckige Bilder</title>
    <link>http://tabu.twoday.net/stories/6050704/</link>
    <description>&lt;b&gt;InTransparenz der Schuld &lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Seltsame Faszination für eine Serie alter DIAs, simple, dumme Badeszenen zuerst eigentlich nur, immerhin an exotischen Stränden schon in den späten Fünfzigern (Barbados, St. Lucia, Curacao - dazu musste man seinerzeit noch reich sein). Und tatsächlich ist das Licht strahlend, sind die Sonnenuntergänge lichttrunken wie befeuert von einem paradiesischen Niederschlag! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das Faszinierende liegt aber anderswo, und zwar offenbar an mehreren Dingen zugleich. Einerseits ist da ein Moment wie herausgenommen der Zeit durch das Alter des Fotomaterials, den verjährten Stand der Fototechnik (&quot;Kodak Ektachrome Transparency&quot;), alles, was an sich einen Akzent der Besonderheit ergibt und diese leicht nostalgische, etwas blasse Anmutung der Bonbonfarben erklärt. &lt;br /&gt;
(Ähnlich wie die Bewegung vom digitalen Sound zurück zum analogen Tonträger, gibt es längst eine von der Virtualität des errechneten Bildes zum durch materiellen Eigensinn gleichsam wieder verpersönlichten Abzug: der aktuelle Holga-Boom, der angekündigte &quot;neue&quot; Polaroid-Film usw. Auch ich behalte ein Foto manchmal nur wegen etwas, das es im Digitalen schlicht nicht geben kann, weil es außerhalb der allzu definierten und dadurch allzu eindimensionalen Errechnungen liegt. Dort aber gibt es wiederum ganz eigene Qualitäten. Mit einer Nietzsche-Paraphrase: Unsere Bildgebungsverfahren arbeiten an unseren Sampletechniken der Welt mit.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Zum anderen liegt es aber auch an der merkwürdig statuarischen Haltung der Modelle, keineswegs besonderen Bademenschen, die aber selber diesem Effekt von Zeitenhobenheit unterliegen. Und ich brauche ein paar Sichtdurchgänge, um darauf zu kommen, woran das liegt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Oft schauen sie sämtlich in jeweils eine andere Richtung, so dass sie als Bestandteil der Szenen sowohl etwas Künstliches bekommen, wie auch etwas Arrangiertes an Ausdruck - und doch ist das wohl alles nur Zufall bzw. Rücklesung eines Moment seiner Herstellung ins Bild selbst. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da erinnert es mich dann an einen italienischen, damit stilbildend gewordenen Fotographen (etwa aus der gleichen Zeit oder etwas früher, späte 50er, frühe 60er?), dem es gelang, seine Modelle ganz ähnlich derart in ihrer Vereinzelung zu zeigen, dass sie eine Art Erhöhung erfuhren und sich so zugleich wieder aufeinander bezogen. Das allein erzeugte schon eine gewisse Spannung in den Bildern. Die wurde aber noch gesteigert - wie teils dadurch auch wieder gebrochen - durch den Auftrag von viel Sonnenöl und einer so präsenter werdenden Erotik der Körper, so dass sie - natürlich unfehlbar an sich schon schön bei einem Italiener - diesen Effekt als beinahe persönliche Eigenschaft des Einzelnen repräsentierten. Es waren Modefotos und sicher haben sie damals geholfen, auch viele Badehosen zu verkaufen. Doch ich bin sicher, diese Haltungen passten sehr gut auch in die heutige Zeit. (Und sicher wurden sie auch längst als Zitat diverser Retroeffekte in die heutigen Ästhetiken wieder eingespeist. Den Namen des Fotographen weiß ich nicht mehr.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch noch etwas wirkt hier. Anscheinend handelt es sich bei der reisenden Gruppe auf den DIAs um irgendwie zivile Leute der US Navy (auf einer Goodwill-Tour?). Denn immer wieder kommt ein Kriegschiff mit ins Bild oder bildet seinen gesuchten Hintergrund, und die erigierten Kanonen und die nackten Menschen drumherum scheinen auf eine weitere subtil erotische, zumindest zweideutige Weise aufeinander zu verweisen. Tatsächlich aber resultiert die Zweideutigkeit wohl aus der Unschuld der beiden Elemente. Überdies scheinen diese lachenden, jungen, attraktiven Körper unverletzbar und weit von allem Bösen entfernt. Und die Kanonenaufbauten des Schiffes sind weiß gestrichen und wirken sehr sauber und überhaupt gibt es sogar einen Bordpool! Kann das sein? Ein Traumschiff! Ja, ganz wie aus unserer mit erheblichem Aufwand inszenierten, und dann konsequent so dümmlich bleibenden Sonntagabendunterhaltung. Und immer schon schien mir so etwas an Missverhältnis das Produkt selber dann auch zu verraten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Doch fallen mir auch noch Bilder aus alten US-Dokumentationen ein, auch sie ein bisschen fahlfarben und leicht verkratzt, auf denen dafür abkommendierte, herumwitzelnde Soldaten ihre Sonnenbrillen aufsetzen, bevor sie sich dem Fallout einer der ersten Testbomben seinerseits auf dem &lt;a href=&quot;http://de.wikipedia.org/wiki/Bikini-Atoll&quot;&gt;Bikini-Atoll&lt;/a&gt; ergeben. Ah, die Südsee! Diese Luminiszenz einer wie überirdischen, swedenborg&#39;schen Strahlung! Und fast alle ihrer kriegerischen Besucher - und viele noch von deren Nachkommen - waren dann auch bald tot. &quot;Entschädigung&quot; gab es keine und natürlich waren auch die Entscheider in den Kriegsministerien nicht zu benennen und überhaupt waren sie an ganz nichts schuld. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und da fällt mir Heiner Müller ein, als sie neulich ein altes Interview mit ihm zeigten, eine der wenigen erträglichen Wiederaufführungen zum gewohnt verlaberten Jahrestag des Mauerfalls. Müller sagt darin, er &lt;i&gt;hasse&lt;/i&gt; die Unschuldigen. Und obwohl er das an der Stelle in dem Film auf die Konsummenschen bezog, die er damals in den westdeutschen Innenstädten beim Einkaufen beobachtet hatte (während also der Osten noch in seiner Geschichtlichkeit verharrte, zumindest an wesentlicheren Problemen der Schaffung einer &quot;besseren Gesellschaft&quot; laborierte), geht mir auf einmal auf, wie tatsächlich und buchstäblich hassenswert die Unschuld auch sonst sein kann. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klar, die, die nur Einkaufen gehen oder in Badeurlaub fahren, sind zumindest fürs Zündeln und kurzfristig auch für Kriege verloren. Doch sind sie, auch dazu unbefragt, auch deren Anlässe. Und sind damit auch für sämtliche andere Entwicklungen neutralisiert und können kaum ein weiterführendes Bewusstsein darüber aufbringen, wie ihnen geschieht und warum. Und das ist tatsächlich auch eine Schuld, eine zuletzt ganz persönliche. Und diese kehrt, wie alles Verdrängte, eben manchmal seltsam wieder. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 </description>
    <dc:creator>en-passant</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 en-passant</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-19T11:16:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://tabu.twoday.net/stories/6049078/">
    <title>Tagebuch des Voyeurs</title>
    <link>http://tabu.twoday.net/stories/6049078/</link>
    <description>&lt;b&gt;Mitleidenschaft &lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Heute Morgen die Idee eines irgendwie gestaffelten Lichts, eines, das, jahreszeitlich schwach, gleichsam durch die markanteren Objekte bzw. deren Auslassungen im Sichtfeld - die letzten Laub tragenden Bäume, ein Treibhausdach, die leuchtend weiße, &quot;spanische&quot; Kalkwand eines Gartenpavillons - moduliert wird. Und das vielleicht außerdem sanft vorgegeben von den Bewegungen auf der Stadtautobahn, links, in den Augenwinkeln, den dort periodisch aufblinkenden Autodächern in der stehenden Welle des Verkehrs. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Dabei ist es ein Licht, das ich intim zu kennen meine. Wahrscheinlich ist es eben nur Novemberlicht, aber es ist, als wäre seine &lt;i&gt;Frequenz&lt;/i&gt; - das Wort die Insinuierung der Annäherung an eine größere Genauigkeit - in mir gespeichert. Oder zumindest doch abgeglichen mittels dem, worin die angebliche Zirbeldrüse, deren mutmaßliche Genauigkeit mir in der Wiedererkennung eine Präzision, ein Datum suggerieren will, mittels dem ich mich mit diesem gegebenen Licht, als einem hochverdichteten Informationsträger, weniger dumm vorkomme, da der Erinnerungseindruck natürlich zuletzt nicht zu fassen ist: Er bleibt gebunden an etwas Unerfassbares, durch kein genaueres Sinnesdatum aufzurufen. Als bedeutete das vage Wissen um die innere Taktgeberei seinerseits die Annäherung an eine Idee von Genauigkeit, die mir irgends diente. Das alles selber wohl nur Hirnmusik, Gedankenmodulation, ein bisschen Geschwätz gegenüber einem Würdigerem an schlichter Physik, das sich mir entzieht. Es bleibt alles ungewiss. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Dabei liefert das Licht in der Feineinstellung eine derartige Helle, dass ich das winzige Aufleuchten des Anteils an Glimmer in einer Zierkachel entdecken kann, das Metallischblau an einem Taubengefieder im Baum, den losen Faden im Saum eines Morgenrocks der alten Frau K. Das Lesegerät selbst justiert an sich herum.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ansonsten die bekannten Protagonisten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Nur die langbeinige Stewardess, die mich so oft langweilte - obwohl sie mich zuletzt häufiger an eine Gottesanbeterin erinnerte, und zwar so, dass es mich einmal tatsächlich bei ihrem Anblick schauderte -, haben sie mir gegen einen dicken Typen in kurzen Hosen und mit Topfschnitt getauscht; auch er kommt zum Rauchen auf den Balkon, und wieder mal frage ich mich, wie es kommt, dass so viele, um irgendwelche dummen Ausstattungsgegenstände in ihren Buden nicht in Mitleidenschaft zu ziehen, ihr eigenes Vergnügen torpedieren. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Der Nachtschichtler putzt am offenen Fenster seine Schuhe und verheddert sich während einer seiner schwungvollen Bewegungen offenbar in der Gardine, deren Gesamtkonstruktion, Stoff und Stange, prompt auf ihn runter fällt. Ohne im Bürsten einzuhalten schüttelt er das Ding ohne weitere sichtbare Regung mit einer Schulterbewegung von sich ab und ich denke, genau so muss man es tun: Sie missachten, alle die eigenen Zwecke missachtenden dummen Gegenständen, die nur im Weg sind. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Im gleißenden Seitenfenster der Türkin meißelt das Licht eine seltsame Topfpflanze heraus, die aussieht wie eine auf den Kopf gestellte, so aufgespießte Fledermaus, der es in der Balance ihres für ewig unverständlichen Todes noch einmal die Flügel auseinandergefaltet hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&quot;Nicht ich bin es, der aus dem Fenster schaut, sondern ein Röslein Rot sticht mir ins Auge.&quot; (Gunter Brus) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 </description>
    <dc:creator>en-passant</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 en-passant</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-18T12:05:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://tabu.twoday.net/stories/6045821/">
    <title>Das Flüchtige als eine Spur für länger</title>
    <link>http://tabu.twoday.net/stories/6045821/</link>
    <description>&lt;b&gt;(eine beliebige Aufzählung) &lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- aus einer offenen Dönerbude an einem Sommertag der Geruch nach frisch angemachtem Gurkensalat; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- oder der Geruch nach der konditionierten Luft und nach den nie mehr ganz verfliegenden Pflegemitteln auf den Kunstlederbezügen in englischen Malls am Sonntag (ähnlich dem nach dem Gummi in einem neuen U-Bahnwagen in Barcelona, der länger in der Sonne gestanden hat, bevor er mit dem Abendverkehr zum Einsatz kommt); &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- der Geruch nach eingetrocknetem Sperma in einem seit Längerem ungewaschen gebliebenen Handtuch (und Monikas abgewandtes Gesicht über der zu leugnenden und dann doch nicht zu leugnenden Scham, das zu erklären); &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- der Geruch in dem Shirt, in dem S. einmal ein Wochenende bei mir geschlafen und das sie dann vergessen hatte und woran ich sie auch nie mehr erinnerte (überhaupt meine Empfänglichkeit bei manchen Frauen für das, was Cioran einmal &quot;zoologischen Weihrauch&quot; genannt hat, als ob die mögliche Tiefe sexuellen Empfindens sich bereits in einem intimen Odeur, in einem Flüchtigsten davon anzeigte); &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- der Geruch nach fremden Metabolismus, nach wie viszeral gewordenem, tagelangem Hunger aus dem Mund des Jungen in der Ringkampfarena in Serekunda (der sich schüchtern an mich herangemacht hatte und mich schließlich um etwas Geld für &quot;Schulbücher&quot; bat [und ich könnte niemals entscheiden, ob das sein wirklicher, für mich glaubhafter Wunsch war oder nur seine intuitiv gefundene Masche bei den Touristen]); &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- der Geruch heute wie nach Fotochemikalien aus der zu öffnenden Hülle mit entwickelten Fotos... der aber nur der Geruch des in den Printmaschinen verarbeiteten Papiers und der Farben sein kann (alles, was sich per wohl nicht mehr zu lösender Reizverschaltung immer noch verbindet mit der alten Aufregung darüber, wenn ich damals meine Bilder stark vorfreudig abholte [und wie enttäuscht war ich meist: der Geruch, die Intensität einer Wahrnehmung als Ersatz, als eine Art Trost?]); &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- die Geruchsblume eines &quot;Cardenal Mendoza&quot; in einem vorgewärmten Schwenker (seltsamerweise empört es mich hier einmal nicht, dass Sprache zu einigen Dingen einfach nicht hinreichen kann - eine &lt;i&gt;solche&lt;/i&gt; Qualität der Dinge nähme aber auch der Sprache nichts); &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- der unvergleichliche Anflug von &lt;i&gt;Mystère de Rochas&lt;/i&gt; an Ute, den ich nach 20 Jahren immer noch manchmal in Spuren in einer Menschenmenge wahrzunehmen meine (nie wieder habe ich ein Parfum bei einer Frau als so richtig empfunden... und heute ist es vielleicht nur noch eine Art Hochrechnung, etwas eher einem Halluzinativen Verwandtes: ein vor Scheu nicht zur Synthese Gelangendes der zur Anmischung bereit liegenden Ingredienzien sämtlicher Parfüms sämtlicher Frauen in der Menge seit je); &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
- mein eigener Geruch, der immer noch manchmal der nach einer Art Blutrausch ist, nach dem mich zu überwältigen drohenden Horror meines ersten LSD-Trips: als umgäbe mich mein Persönliches auch mit der Umhüllung eines mich mit mir selber verschonenden - mich neutralisierenden - &quot;Fremden&quot;. (Oder zumindest mit etwas, das ich nicht erkennen kann, und in dem zuletzt womöglich meine Unterscheidungsfähigkeit selber gewahrt bliebe; und es ermöglichte eben das die schier unermessliche Vielfalt der Sinnesreize selber, wie die ihrerseits wiederum, noch als Totalität nicht, zu keiner Wahrheit gereichen: es bedeutete eben diese Vielfalt die Unmöglichkeit von so etwas wie einziger Wahrheit und die bestünde eben aus ihrer Unfassbarkeit. Worin erst wieder alle Ermöglichung läge. Usw.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Usw. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 </description>
    <dc:creator>en-passant</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 en-passant</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-16T12:56:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://tabu.twoday.net/stories/6044131/">
    <title>o.T.</title>
    <link>http://tabu.twoday.net/stories/6044131/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;228&quot; alt=&quot;Pandemrix&quot; width=&quot;617&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/TABU/images/Pandemrix.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 </description>
    <dc:creator>en-passant</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 en-passant</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-15T10:21:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://tabu.twoday.net/stories/6041361/">
    <title>Lesen &amp; Sammeln</title>
    <link>http://tabu.twoday.net/stories/6041361/</link>
    <description>&lt;b&gt;Lesen &amp; Sammeln &lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Einmal ist es nicht das ausgeräumte Leben eines Toten, auf das ich auf einer nächtlichen Pirsch durch meine Unruheviertel stoße: ein halbes Mädchenzimmer wurde auf die Straße gekippt. Doch was mich daran empört, ist ebenso wieder die Beschmutzung eines ehemals Intimen daran, die Entwertung eines Gelebten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Was mich aber nicht hindert, auch einmal lustvoll darin herumzuwühlen. Und es ist weniger der Glitzerkram des Weiblichen, der mich lockt, als das mit den Jahren angehäufte Sammelsurium selber, das Kleinteilige, das Detailreich-Verwunderliche, das ich schon als Junge oft suchte. (Und teils eben sammelte, aus von mir nie infrage gestellten Gründen; diese Fragen aber, anhand des Belegmaterials heute zu finden, wären sicher für mich sehr interessant.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So vermisse ich wohl also eher die einmal dafür aufgewändete Zeit, das dahin eingegangene Interesse, das in ihnen angereicherte Intelligible der Dinge, die zu einer Systematik und einem impliziten Wissen damit führten, alles, was eine Liebhaberei oder eine Langfristbeschäftigung heute noch sind, abzüglich nur einem ehedem mutmaßlich größeren Zauber. Heute suche ich Hinweise auf fremde Obsessionen womöglich als Ersatz für etwas an Lebendigkeit, die sich mir als eine Art ausgleichendes Vermissen maskiert. Und es scheint auch das eine kompensatorische Bewegung: Wenn nun dieser aus ihrem früheren Leben vermeintlich Herausgewachsenen ihr Verlust irgendwann einmal klar wird, werden ein paar dieser Dinge vielleicht immer noch aufgehoben sein bei mir. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Das ist zwar in sich nicht ganz logisch, hat für mich aber seine Richtigkeit. Und so suche ich zumindest die Briefe zusammen, die Fotos von Boys, deren Rückseiten dieses Mädchen in einer ansonsten verlorenen Schulstunde zärtlich bis ins Randlose kommentierte, und vor allem die Tagebücher, tatsächlich mit ausführlichen Einträgen zu allem, was sie einmal bewegte und das immerhin zu einer Form seiner Dokumentation gefunden hat. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So gibt es ganze Chroniken der laufenden Ereignisse, jedes Wochenendticket &quot;zu ihm&quot;, jede Kinokarte &quot;mit ihm&quot; hat sie aufbewahrt. Der Belegwust selbst scheint etwas von der Bedeutung zu bewahren, die er auch durch sein Verwerfen nicht verliert. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Darüber hinaus kann man zusehen, wie das gefundende Aufschreibesystem sich entwickelt, vom nummerierten Zettel zum Jahresplaner vorrückt, man kann - die realen Seifenopern des Lebens! - richtiggehend kleine Dramenbögen und Charaktere verfolgen, und bald ufern die Texte aus, Beweise und Fotos werden eingeklebt, Revisionen und Zusätze angetackert, der Journalcharakter bekommt etwas Mediatisiertes per se, das so jemandem wie mich - zwar früh ins Virtuelle ausgewandert, aber immer auch noch an altmodischen Papiermedien klebend - nicht kalt lassen kann. Der außerdem längst trainiert ist, in Spuren das narrative Potenzial solcher Funde für sich auszubeuten. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Klar, die Erzählungen mögen oft etwas albern sein, das ganze Räsonnieren wird auch einmal redundant und bleibt ohne viel Tiefe. Dazu ist alles ungestaltet und roh. Doch ist eben das diese Kraft, scheint sie durch ihre Heftigkeit - &lt;i&gt;voll ätzend, alte Votze, voll der Hass&lt;/i&gt;... und dazwischen dann wieder voll die lyrischen Töne! -, scheint alles durch sein Ungefiltertsein den wohlüberlegten, den so wohltemperierten Formen teils überlegen. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Und laufend gibt es Unabsehbarkeiten, erlauben die fremden Gedankenwendungen immer wieder kurze Ausblicke auf einen selbst. (Zumal wenn man keinen gleichwertig unmittelbaren Zugang in solche Vergangenheiten mehr hat.) Unsere Jugend: Wieso ist sie so manisch, ständig verzweifelt oder überspannt? &lt;a href=&quot;http://www.taz.de/nc/1/archiv/archiv-start/?ressort=ku&amp;dig=2006%2F04%2F25%2Fa0164&amp;cHash=e7a9db15e9&quot;&gt;&quot;Leicht bekleidet, betrunken und apathisch&quot;&lt;/a&gt;? Ach, die schwierige Phase der Selbstfindung, das Melodram nichtiger Dauerkonflikte! Schon lange mag ich dem nicht mehr folgen, besteht doch die halbe Fernsehwelt daraus. Aber in &quot;echt&quot; ist das auf einmal anderswie interessant. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Wahrscheinlich wirkt hier vermutlich auch ein Teil Authentizitismus, der sich, ungetrübt durch eigene Skrupel und also vergnügter, über seinen Forschungsgegenstand beugen will. Aber dieser Nexus Schrift vs. Leben ist nun mal das, was mich heute interessiert. Eine Zeit lang habe ich immer wieder mal versucht, an so was - über als &quot;Nachlass&quot; Ausgewiesenes gelang es mir manchmal - heran zu kommen, aber es war nie das Richtige. Und heute bekomme ich es eben manchmal des nachts an einer Ecke des Viertels still überreicht. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Die Gründe, so etwas auf die Straße zu werfen, kann man dann lesen wie man will. (Die Papiersachen lagen in einer offenen Kiste mit anderem Medienzeug, Büchern und CDs; ich vermute in dem Fall fast so etwas wie: Nur mir aus den Augen... soll sich drüber amüsieren wer will.) Doch das eben ist Teil des Zaubers der anderswo überflüssig gewordenen Dinge: man kann nicht vorabsehen, was aus ihnen zu wem sprechen wird. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Womöglich maskiert sich hier ein weiteres Mal eine alte Gier, eine eigene Art Begehrlichkeit, mir etwas Fremdes anzuverwandeln, eine früh erspürte Möglichkeit, eine besonderen Qualität des &quot;Lesens&quot; durch Aneignung in eine Annäherung an etwas Wirklicheres zu treiben. Etwas Geschriebens ist ja als solches schon, mindestens intentional, verdichtet, ist als ursprünglich Persönliches als das Mitteilbare kondensiert. Und nun gehört es auch als Intimes auf gewisse Weise wieder allen, ob zur Veröffentlichung vorgesehen oder nicht. (Es soll einem ja immer Leid tun, das Tagebuch seiner Freundin gelesen zu haben; aber ebensogut kann es einen vor Jahren des Unglücks bewahren.) Natürlich muss es Persönlichkeitsrechte gebe, weil sie einem Subjekt wiederum Freiheiten, gleichsam erst die auch zu sich, garantieren. Und das ist durchaus eine Errungenschaft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
(Auch wenn die Definitionen sich da, und zwar durch gesellschaftliche Entwicklungen, längst wieder wandeln: Die Gefräßigkeit krawalliger Fernseh-Doku-Soaps für Sozial-Voyeure und die my-space Selbstenthüllungslust unter aufstiegsorientierten peer-group pressure kids sind ja durchweg leistungs-konform und erwünscht! Und die Datenskandale erbärmlicher, zuletzt fast immer eher wenig fürsorglicher &quot;Arbeitgeber&quot; zeigen, wo der Große Bruder des kleinen Stasi sitzt und wie die räuberischen Zugriffsinteressen verteilt sind. Mich heutzutage wg. dem Scannen möglicher zukünftiger Personalchefs im weltweiten Mitmach-Web nicht entäußern zu dürfen, wo alle Welt nach Entäußerung schreit, ist zutiefst schizophren. Die Scoring-Firmen, die die Jalousien runterlassen und nach der Polizei rufen, wenn mal einer nachfragen will, nach welchen Methoden sie denn für Zahlungskräftige das Deutschland in Daten willkürlich und nahezu unkontrolliert verhökern; der Personalchef in seiner schnöseligen Verfügungshoheit und seiner eigenen anonymen Deckung; überhaupt die Asymmetrie zwischen den Sammlern und dem schlichten Daten-Vieh; dazu der wachsende governmentale Einspruch, der mich zur Daueroptimierung meiner Chancen zur Selbstverkaufe anhalten will, mich aber vor den Datenkraken nicht recht zu schützen bereit ist - sie alle sind der Feind! Und alle anderen googeln sich gegenseitig und verleugnen ihre eigene Neugier...) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Aber das Eigentliche behüten können auch Gesetze nicht. Ich bestreite sogar so etwas wie das individuelle &quot;Geheimnis&quot;: Alles ist offenbar! Und dass das intime Moment, das schon als solches Anschluss sucht, wo nie einer vorgesehen war, erscheint mir von einer eigenen, gewissermaßen höheren Richtigkeit. Unter Menschen wird immer alles verraten sein. (Und das durchaus in beiden Wortbedeutungen!) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Ich jedenfalls fühle mich nicht zum ersten Mal als der gesuchte, als der ideale Finder: immer werde ich alles ausplaudern - und werde es doch bewahren! Ich bin durch etwas anderes reichlich belohnt! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 </description>
    <dc:creator>en-passant</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 en-passant</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-13T11:14:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://tabu.twoday.net/stories/6031470/">
    <title>~.~</title>
    <link>http://tabu.twoday.net/stories/6031470/</link>
    <description>&lt;b&gt;{Melaten} &lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schwarze Dame sizilianischer Eröffnung &lt;br /&gt;
kleine schwarze Pistole in einer Handtasche samtschwarzer Finsternisse &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
das Gefolge schwarzer Acht-Zylinder, graphitschwarzen Kammgarns &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schwarzes Klebeband über dem Namenschild neben der Klingel die jemand zahllose Male vergeblich ...&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
schwärzeste Tage des Lebens &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Schwarz ohne alles wiederholt die Kellnerin während ihre Augen träumerisch die Stromlinien des schwarzen Ami-Schlittens in der Auffahrt entlangfahren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
harrend, schwarzschluckend ein Glanz kalten Teers in der eisigen Sonne &lt;br /&gt;
das Gras herum dem frisch ausgehobenen Loch Schwarzerde ist weiß überfroren &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Fragt mich einer, was mir als &lt;a href=&quot;http://www.spiegel.de/reise/aktuell/0,1518,660499,00.html&quot;&gt;Düsseldorfer&lt;/a&gt; denn an Köln immer so gefällt. &lt;br /&gt;
Antworte ich: Alles das, wofür es üblicherweise nicht bekannt ist. &lt;br /&gt;
(Und so auf den Punkt habe ich das bisher auch noch nicht sagen können.) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 </description>
    <dc:creator>en-passant</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 en-passant</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-07T15:08:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://tabu.twoday.net/stories/6031222/">
    <title>Blechen</title>
    <link>http://tabu.twoday.net/stories/6031222/</link>
    <description>&lt;b&gt;Kleiner Selbstbetrug im Traum &lt;/b&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Als der Mann vor mir in seine rechte Hosentasche greift, macht er das mit einer Abfolge von Gesten - einem etwas gewichtig tuenden, mit dem Unterarm erst einmal wie weiten Auslangen zum Aufwerfen der Mantelschöße, bevor er mit einem leichten In-die-Knie-Gehen in die Tiefe seiner Tasche greift -, die ich schon als Kind bei älteren Männern wahrgenommen und als typisch bemerkt zu haben meine; oder es war das seinerzeit eine gewissermaßen autonome, geläufig gewordene Bewegung. Doch führt es mich zu der versuchsweisen Überlegung, dass das Alter eines Menschen derart, mittels beiläufiger Charakteristiken also, immer auch ganz anders zu bestimmen sein müsste, als nur mit der nominellen Anzahl von Lebensjahren. Doch ist die Zeitverhaftheit solcher Gesten wohl zu relativ und zu vielen Zufällen unterworfen; Nachahmungen etwa, ihren unbekannten Gründen, ob bewusst und unbewusst. Doch warum sollte das besser als eine schlichte Altersangabe sein? Ist Habitus nicht zeitlos? Genügte der Hinweis auf seinen Hut? (Und wen interessiert das überhaupt?) &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
An dieser Stelle hatte sich das etwas trübe Sinnieren auf dem Gang einer Toilette in einem größeren Einkaufszentrum, wo ich, meinen Obulus zu entrichten, beim Hinaustreten kurz warten musste, auch in Wirklichkeit verfranst. Die Worte waren genug verdächtig, nur kam ich nicht darauf. Dafür wird nun der Traum sich seiner selbst bewusst, nämlich wie er eine Sache umgestaltet, die sich etwas anders zugetragen hat, als gälte es, leicht abgewandelt, mir das Moment ihres Anlasses ein weiteres Mal zu signalisieren, um es aufschreibefähiger zu machen, etwas ganz Flüchtiges, wie es tagsüber x-fach passiert und also eher vergessen sein soll: hier stößt es, das Ereignis als sein sich erneuerndes Bemerktsein, während nächtlicher Hirnprozesse auf Modi seiner eigenen Behandlungsroutinen als etwas erneut Projektives, das der Traum mittels eines Anekdotischen - das ich mir ja tatsächlich oft genug als irgendwelches szenisches Beiwerk anderswo zu verwenden notiere -, versuchsweise als Verschiebung usw. entwirft. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
&lt;i&gt;Und während ich so immer noch vor mich hinsinnierte, nicht einmal ungeduldig hinter meinem Vordermann, hörte ich im Aufschütteln dann der reichlichen Münzen auf seiner Hand, dass eine davon falsch war.&lt;/i&gt; &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Spontan trete ich den halben Schritt vor, den es braucht, den Blick des Toilettenmanns mit einem betonten Guten Abend!, auf mich zu ziehen und an dem anderen vorbei meine 50 Cent mit einem deutlichen Laut in den Unterteller zu legen, damit er - den ich niemals im Leben wiedersehen werde - nicht hinterher mich verdächtigt, falls er nun von dem anderen die Blechmarke bekommt. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
Während Elisabeth auf dem Gang nach draußen etwas zu mir sagte, war meine Aufmerksamkeit noch nach hinten gerichtet und zugleich auf diesen mich nicht loslassenden falschen Klang (auf den nichts folgte). Verkürzt versuche ich zu schließen: Die bare Münze Schlüssigkeit - und welcher Anteil Blech...? Doch beim zweiten Mal hebt das Lamentieren über den Betrug (dem ich ohne viel Erleichterung für mich entkomme) dann auch wirklich an! &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
So könnte es gewesen sein, denke ich, &lt;i&gt;wirklich&lt;/i&gt;, aber merke, darauf kommt es gar nicht an. Die Vertauschung - die Unterschlagung als ihr Mehrwert - liegt anderswo. Der Traum variierte die Anekdote nur noch einmal als Möglichkeit seiner Erzählung, dazu ein weiteres Mal als deren spekulatives Moment, und im halben Aufwachen darüber weiß ich es dann auch nicht besser, und verwerfe alle drei. Das macht mich auch gegenüber dem Stattgehabten wieder frei. War es so? Mit der ersten Wahrnehmung, der Art und Weise wie der Mann in seine Tasche griff, fange ich wieder an. &lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 </description>
    <dc:creator>en-passant</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 en-passant</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-07T11:58:00Z</dc:date>
  </item>
  <item rdf:about="http://tabu.twoday.net/stories/6028656/">
    <title>Opel</title>
    <link>http://tabu.twoday.net/stories/6028656/</link>
    <description>&lt;img title=&quot;&quot; height=&quot;410&quot; alt=&quot;Opel-Rekord&quot; width=&quot;631&quot; src=&quot;http://static.twoday.net/TABU/images/Opel-Rekord.jpg&quot; /&gt;&lt;br /&gt;
&lt;br /&gt;
 </description>
    <dc:creator>en-passant</dc:creator>
    
    <dc:rights>Copyright &#169; 2009 en-passant</dc:rights>
    <dc:date>2009-11-05T16:43:00Z</dc:date>
  </item>


<textinput rdf:about="http://tabu.twoday.net/search">
   <title>find</title>
   <description>Search this site:</description>
   <name>q</name>
   <link>http://tabu.twoday.net/search</link>
</textinput>


</rdf:RDF>
